Spionage in Grönland - Ernst Schnabel (1955)

Ernst Schnabel
Язык: German
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TITLE:

Spionage in Grönland. Sechs Versuche, ein unbeschreibliches Land zu beschreiben

AUTHOR:

Ernst Schnabel

DIRECTOR:

Fritz Schröder-Jahn

MUSIC:

Franz Aschenbrenner

PRODUCTION:

Nordwestdeutscher Rundfunk

YEAR:

1955

RECORDING DATE:

1989-04-06 (Norddeutscher Rundfunk)

DESCRIPTION:

"Wer hierherkommt, ist entweder ein Spion, der einem leidtun kann, denn hier gibt’s gar nichts zu spionieren - oder er ist verrückt. Dann kann er einem auch leidtun."

Es ist die eigentliche Aufgabe des Funkautors, sei er Erzähler, Dramatiker oder Beschreiber, durch Sprache und Tonfall das vor die Einbildungskraft des Hörers zu rücken, was dieser nicht "zu sehen" bekommt. Anschaulichkeit ist die erste Forderung an ein gutes Funkmanuskript. Von den großen Hörberichten ("Features") Ernst Schnabels vom Weltflug, vom Kongo, vom Fliegenlernen weiß man, daß er diese Forderungen hervorragend zu erfüllen weiß. Sein neuestes Werk, "Spionage in Grönland", hat vom Stoff her vielleicht noch mehr Sprödes zu überwinden als die früheren Arbeiten. Der Autor war für ein paar arktische Wintertage auf dem westgrönländischen Zwischenlandeplatz für die Clipper der Nordpolroute — in einer fast lautlosen Landschaft. In "sechs Versuchen, ein unbeschreibliches Land zu beschreiben" fängt er die Physiognomie jenes von allem, was wir "Leben" nennen, abgerückten, sozusagen kontaktlosen Ort ein, an dem "nichts zu sehen" ist und auf dem nichts geschieht, was sich zu erzählen lohnte — es sei denn die bloße Tatsache, daß Soldaten der USA Luftwaffe und dänische Flugbeamte es hier monatelang aushalten müssen und auch aushalten. Aber da sind einmal die Sonne, "eine triefende Himmelsfrucht auf dem Eis", und das Nordlicht; da sind die Gletscher, die Polarfüchse und der zugefrorene See, in den ein Lastzug einbrechen kann. Da ist das Kino, das täglich sein Programm wechselt und auf höchst gefährliche Weise "Romance into Life", romantische Illusion in die Abende der weltlosen Luftwaffensoldaten bringt. Und da ist dann, von Schnabels innerer Unruhe aus der Filmleinwand gelöst, Audrey Hepburn, die Prinzessin auf römischen Urlaub, die den charmant, aber eindringlich vorgebrachten Vorwürfen des Autors standhalten muß. Da ist das allzu laut schlagende Herz des Bergsteigenden, der die Angst nicht achtet, um die Sonne zu erblicken. Leider hat Schnabel diesmal vielleicht zu getreu Form und Aufbau seiner früheren Features kopiert, doch gelingt es ihm auch diesmal wieder Vorstellung, Anschauung, Sinnfälligkeit so, daß der Hörer, wenn die Viking den Reisenden wieder mit in die "mittlere Welt" nimmt, Mühe hat, sich zu überzeugen, daß er nicht selbst in Grönland war. (DIE ZEIT, 02.07.1955)

Mit einer Einführung von Hanjo Kesting

PROVENANCE:

digitized cassette tape, private archive of Winfried Noack

FORMAT:

WAV 44.1 KHz 16 Bit PCM, mono

LANGUAGE:

German

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