Maha Zeidan aus Syrien (Interview)
“Du musst verrückt gewesen sein, dass du unserem Vater nach weniger als zwei Wochen in die Heirat eingewilligt hast...“ erzählt Maha lachend, habe die älteste Tochter ihr gesagt. Maha lebt nun beinahe 19 Jahre in Deutschland. Sie hat gelernt zwischen den Welten zu manövrieren und zu vermitteln.
„Ich fühle mich als Syrerin,“ erzählt Maha. Die ersten zwei Jahrzehnte ihres Lebens hat sie in Syriens Hauptstadt Damaskus verbracht. Doch Mahas Familie gehörte zur Community der palästinensischen Flüchtlinge (nach dem sogenannten Unabhängigkeitskrieg Israels 1948 waren diese u.a. auch nach Syrian geflohen); ihnen war es erlaubt, in Syrien zu leben und zu arbeiten, doch die Staatsbürgerschaft erhielten sie nicht.
Als Braut für einen in Deutschland lebendem Syrer kam Maha nach Mülheim. Der Mann war für zwei Wochen nach Syrien gekommen, um durch seine Familie nach einer Braut für ihn suchen zu lassen. So kam die 22-jährige dann 2002 ganz allein im weissen Kleid und voller schöner Träume für das Leben vor ihr an einem deutschen Flughafen an. Erwartet wurde sie von einem Mann mit einer Blume. Das „ganz allein“ zieht sich immer wieder durch den ersten Teil von Mahas Lebenserzählungen. Die fehlenden Sprachkenntnisse machen sie einsam und hilflos und sehr eng gebunden an ihren Mann. Die drei Kinder kommen bald und schnell nacheinander in ihr junges Leben. „Ich war auch ein bisschen überfordert und ganz allein...“!
Langsam, Schritt für Schritt lernt sie andere Frauen in ähnlichen Situationen kennen; and besonders dann, als sie sich nach 13 Jahren schweren Herzens entschliesst, sich von ihrem Mann zu trennen. Maha wird zur „allein-erziehenden Mutter“; und hier kommt es dann recht schnell zu der erleichternden Entdeckung: „ich bin nicht allein...!“ In dieser Situation lernt Maha auch das Frauen Empowerment Netzwerk der Silent University kennen, engagiert sich und macht viele bereichernde (und einige traurige) Erfahrungen gemeinsam mit anderen Frauen.
Die grossen Herausforderungen haben Maha stark und reich an Erfahrungen gemacht. Zwar konnte sie nicht, wie erst erträumt, ihr Jurastudium in Deutschland fortsetzen; doch mit wachsenden Sprachkenntnissen und durch Weiterbildung zur Sprach- und Integrationsmittlerin gelingt es ihr, einen Platz für sich in der deutschen Gesellschaft zu erstreiten und ihre Ressourcen zum Wohle anderer einzusetzten.
Vor allem als der Krieg in Syrien viele Familien, und auch Mahas eigene, als Kriegsflüchtlinge nach Deutschland bringt, ist ihre Expertise gefragt. Maha arbeitet u.a. als Dolmetscherin, Übersetzerin und in der Familienhilfe. Sie gründet einen Syrischen Verein und ist Mitglied des Integrationsrat in Mülheim.
Tracks 01 – 05 Interview einschliesslich Fragen; interview footage
Track 06 Mahas Erzählung ohne Interviewfragen
Tracks 07 – 09 Zusätze/ Einschübe
Dieses Interview entstand nach den Gruppenworkshops im Frauen Empowerment Netzwerk in der Produktionsphase der Radiosendung „Stimmen der Schweigenden Universität“ und der einhergehenden engen Zusammenarbeit mit Maha als Übersetzerin.
Interkulturelles Frauen Empowerment Netzwerk
Silent University Ruhr
1/901 Maha Zeidan_ich kam als Braut ganz allein
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