Wirtschaftskrieg gegen Russland (Wien 28.10.14)

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**Wirtschaftskrieg gegen Russland:

Klarstellungen zum imperialistischen Gehalt der Weltwirtschaftsordnung**

Referentin: Margaret Wirth

Ganz egal, ob man zu den Putin-Verstehern gehört, die irgendwie mitfĂŒhlen, dass sich die Macht im Osten nicht aus einer Region verdrĂ€ngen lassen will, die bis vor 25 Jahren zum Kernland der Sowjetunion gehörte und teilweise von einem Volk besiedelt ist, das sich russisch sieht. Egal auch, ob man sich zu den Obama- und Merkel-Verstehern rechnet, die Russland das Recht auf Einfluss auf sein “nahes Ausland” absprechen, ihm einen Bruch des Völkerrechts und die Missachtung der SouverĂ€nitĂ€t der Kiewer Umsturzregierung vorwerfen.

Jenseits der — parteilichen, also verlogenen — Rechtfertigungen beider Seiten ist eines nicht zu ĂŒbersehen: Es findet ein Krieg statt um die Frage, wem bzw. zu wem die Ukraine gehört. Deutschland, die EU, die NATO bestehen darauf, dass die Ukraine zum Westen gehört, und Russland dort nichts mehr mitzureden hat; die Moskauer Regierung kĂ€mpft um die Wahrung ihres Einflusses auf ihr Nachbarland, wenigstens um einen neutralen Pufferstaat zum Machtbereich der NATO. Den BĂŒrgerkrieg im Donbass schĂŒren beide Seiten mit Waffen, militĂ€rischem Personal, LuftaufklĂ€rung und politischer RĂŒckendeckung.

Abgesehen davon, abgesehen auch von der AufrĂŒstung der baltischen Staaten und Polens, abgesehen schließlich von der Drohkulisse, die die NATO durch verstĂ€rkte PrĂ€senz an den russischen Grenzen aufbaut, wollen USA und EU Russlands Macht vorerst nicht mit der Anwendung eigener MilitĂ€rgewalt brechen, sondern mit Sanktionen: Sie setzen die Wirtschaft als eine Waffe ein und fĂŒhren einen Wirtschaftskrieg, dem sie die

Aufgabe zuweisen und die Leistung zutrauen, den Feind so zu schĂ€digen, dass er sich sein außenpolitisches Auftreten nicht mehr leisten kann und seine AnsprĂŒche aufgibt. Mit wirtschaftlichen Kampfmaßnahmen wollen sie die zweitgrĂ¶ĂŸte Atommacht des Globus in die Knie zwingen und, wie Obama sich ausdrĂŒckt, den Nachfolgestaat der Sowjetunion, der sich ĂŒber zwei Kontinente erstreckt und in allen internationalen Aufsichtsgremien als

Mit-Garant der Weltordnung agiert, auf Rang und Gewicht einer “Regionalmacht” zurĂŒckwerfen.

Das gilt als besonnen: “Besser sie kappen Wirtschaftsbeziehungen, als dass sie schießen!” Man hĂ€lt sich an die Differenz zum blutigen Töten und Sterben im Staatsdienst und billigt damit den Zweck des Wirtschaftskriegs: Die Sanktionen sollen das Gleiche leisten wie sonst Bomben und Granaten; und sie stehen unter der Bedingung, dass sie das auch tun.

Kein bisschen wundert sich die öffentliche Meinung darĂŒber, dass die Wirtschaftsbeziehungen — sonst der Inhalt, fĂŒr manche auch die geschĂ€tzte Garantie des friedlichen Verkehrs zwischen den Staaten — nun als zerstörerische Macht- und Kampfinstrumente zum Einsatz kommen.

Dabei könnte die Verwendung der Wirtschaft als Waffe schon Fragen aufwerfen: Was ist das fĂŒr eine Ökonomie, die als Machtmittel taugt? Was ist das fĂŒr eine internationale wirtschaftliche Kooperation, deren Entzug nicht nur den Ausfall eines Nutzens, sondern den halben oder ganzen Ruin sogar großer Staaten bewirkt?

Und kann der Wirtschaftskrieg das wirklich? Was ist dran an den Stimmen, die ihn fĂŒr problematisch halten und daraus den Schluss ziehen, dass Wirtschaftskrieg nicht reicht?

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