STIMMEN AUS HAMM - Meryem und Noora - "Ich bin deutsch..." (sound track) - Audiolibro Gratis

STIMMEN AUS HAMM - Meryem und Noora - "Ich bin deutsch..." (sound track) - Audiolibro Gratis

Autor(es):

Idioma: German

Género(s):

1 / 1Meryem und Noora_ich bin deutsch

00:00
00:00
1 Capítulo(s)
  • 1. Meryem und Noora_ich bin deutsch

Acerca de

_Interview: Arabisch - Deutsch

_

[Transkription des vorliegenden Audio auf Deutsch folgt unten]

STIMMEN AUS HAMM: Audio- und Videoproduktionen von Kindern und Frauen mit Fluchterfahrung in Hamm 2022

Wer sind die Menschen, die Flucht und Migration erlebt haben und nach Hamm gekommen sind? Wie sehen ihre Kinder diese Stadt, wenn sie aus Afghanistan, Syrien, Kurdistan, Irak, Bulgarien oder der Ukraine nach Hamm kommen?

Was ist zu sehen und zu hören, wenn die gesellschaftliche Vielfalt in Hamm über sich selbst erzählen könnte? STIMMEN AUS HAMM wollte diesem „wenn“ eine Chance geben und Geflüchtete zu Produzent*innen ihrer eigenen Geschichte machen.

In Smartphone Videos und Zeichnungen haben die Kinder ihren Blick auf Hamm zum Ausdruck gebracht. Geschnitten wurde das Bildmaterial von professionellen Medienschaffenden, deren Erfahrungshorizont ebenfalls Flucht- bzw. Migrationsgeschichte einschließt.

Für Einheimische werden die Zeichnungen und Videoaufnahmen der Kinder Teil vertrauter Szenarien sein: die städtischen Parks, die schönen Fantasiewelten des „Herbstleuchtens“ im Maximilianpark, der Glaselefant (ein architektonisch umgestaltetes Gebäude einer ehemaligen Zeche) und das Kopfsteinpflaster in den Strassen von Hamm.

Doch im Mittelpunkt der Filme stehen die Geschichten der Lebens- und Fluchterfahrungen, die die Frauen und Mütter in ihren Audio-Interviews erzählt haben.

********

Herzlichen Dank an alle Teilnehmer*innen für ihre wertvollen Beiträge !

Interviewpartnerinnen: Jenny, Olha, Nataliya & Yuliia, Valentina, Saida & Rohiv, Meryem & Noora, Atefeh, Roksana, Reni, Tina.

Videos & Zeichnungen: Aminka, Alina & Maria, Atefeh, Bano, Janna, Marya, Mobin, Matin, Kita 3Könige, Ralf, Ramina, Rohiv, Roman & Roksana, Tuana & Elisa

Produktion

Raras Umaratih, Shokoufeh Eftekhar und Sören Meffert (Video)

Dorothee Borowski und Claudia Wegener (Grafik)

Joseph Mahame (Storytelling mit Klang)

Mahtab Dardarsefatmahboob (Kreatives Schreiben)

Claudia Wegener (Audio, Projektleitung)

radio continental drift (Konzept)

Gefördert im Rahmen des Bundesprogrammes „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Der Projekt-Abschluss wird zudem im Rahmen des Förderprogramms KOMM-AN des Landes NRW gefördert.

„Die Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung der Förderer dar. Für inhaltliche Aussagen tragen die Autorinnen und Autoren die Verantwortung.“

Siehe auch unter:

[https://www.iff-hamm.de](https://www.iff-hamm.de)/

[https://fuge-hamm.org](https://fuge-hamm.org)/

[https://fluechtlingshilfe-hamm.de](https://fluechtlingshilfe-hamm.de)/

[https://demokratie-leben.de](https://demokratie-leben.de)/

[https://medienvielfalt.net/index.php/ausstellung/ueber-die-ausstellung](https://medienvielfalt.net/index.php/ausstellung/ueber-die-ausstellung)/

[https://radiocontinentaldrift.wordpress.com/2023/01/07/when-diversity-speaks](https://radiocontinentaldrift.wordpress.com/2023/01/07/when-diversity-speaks)/

********

STIMMEN AUS HAMM

Meryem und Noora -  „Ich bin deutsch…!“

Meryem

Immer wenn ich mich an den Irak erinnere, erinnere ich mich zwar an schöne Zeiten mit Tanten, mit Nachbarn mit Familie und so; jedoch, wenn man sagt, wie war dein Leben im Irak, dann sag ich schon, ja, sehr schwierig, voller Angst, das war nicht gut, ich hätte gerne Bildung gehabt und dies und das; und dann Flüchtling…!!

Als ich nach Deutschland kam, war ich glaube ich sechs oder sieben, und musste dann direkt eingeschult werden. Und hatte nicht die Sprache, ich konnte nicht das Alphabeth, ich hatte nicht mal so ne richtige Kindheit… ich konnte noch nicht mal Arabisch…!

Noora (Arabisch); Meryem übersetzt (Deutsch)

Die Zeit, wo ich eigentlich in den Kindergarten gehen sollte im Irak war ein bisschen schwierig, da wie gesagt noch Krieg herrschte; und es nicht nur meiner Mutter so ging, sondern auch vielen anderen Familien, dass sie ihre Kinder, generell, ihre Söhne und Töchter nicht in den Kindergarten schicken wollten, oder in die Schule, weil sie einfach so sehr Angst hatten, dass die Kinder dann nicht zurückkommen würden, weil es halt so so gefährlich war. Generell war das ja so, dass der Vater früher der „Löwe der Familie“ war, sag ich jetzt mal so; und der hat dann einfach so Angst um seine Kinder gehabt, dass er sie nicht in den Kindergarten geschickt hat und sie deshalb auch leider keine Bildung bekommen haben, wie man es sich vielleicht erhofft hätte.

Meryem

Also, um ehrlich zu sein erinnere ich mich gar nicht an meine Kindheit, weil es ein ziemlich, ziemlich langer Weg war nach Deutschland. Ich kann mich bloss erinnern, dass wir mal da gewohnt haben und mal da gewohnt haben. Irgendwann mal waren wir in der Türkei; dann waren wir in Deutschland, aber nicht ganz in Hamm. Dann waren wir woanders, aber nicht in Hamm. Und dann war ich direkt in der Schule. Das ist richtig chaotisch. Ich kann mich gar nicht an Vieles erinnern.

Musik Zitat : soundscape „Orient Express“ (interkulturelles Dinner für 100 Gäste) (IFF)

Meryem

Ich wurde tatsächlich bis zur vierten Klasse, also drei Jahre lang, neben eine Mülltonne gesetzt, weil man meinte, dies sei der Ort, wo ich hingehöre.

Ebenso wurden mir dann dafür auch noch richtig schlechte Noten gegeben. Ich meine ich hatte selbst Arabisch Unterricht und auch noch Deutschunterricht; also ganz, ganz fix, in ein oder zwei Jahren konnte ich schon 40 – 50 % Deutsch – was ich eigentlich schon mega gut finde – sprechen; nichts desto trotz wurden mir dann richtig schlechte Noten dafür gegeben; ich hatte glaube ich einen Schnitt von 5,1 oder so, also richtig schrecklich, und natürlich eine aufgelöste Mutter, richtig traurig, dass ihr Kind so schlechte Noten bekommen hatte… ja, und auf Grund dessen wurde mir natürlich die Hauptschule empfohlen, wegen meinen Noten und so. Und jetzt bin ich so dankbar, dass ich einen Schnitt von 1,1 geschafft habe, weil ich es einfach gewagt habe und so schnell, so so schnell Deutsch lernen konnte. Also ich hab in drei Jahren… ganz fix konnte ich schon Hochdeutsch sprechen.

Auch wenn ich jetzt ein Kind war, bin ich sehr „reif“ damit umgegangen. Ich habs natürlich nicht meiner Mutter erzählt, weil – was hatte sie auch dagegen machen können?! Ich mein, ich bin einfach damit sehr reif umgegangen. Mich hat das nicht interessiert, ich sass da, ich hab nicht gemacht. Ich einfach weiter Unterricht gemacht. Nach der vierten Klasse, also zur weiterführenden Schule hab ich dann wirklich mein Bestes gegeben um einfach „Rache“ zu zeigen, dass ich es doch schaffen kann, dass ich doch keine Scheiss-Irakerin/ Araberin bin …

Also es lag wirklich nur an den Lehrern. Ich hab nie rassistische Witze von Schülern gehört. Ich habs immer nur von der Lehrerin gehört. So richtig komische Witze wie, „Achtung, jetzt kommt ne Bombe von der Tasche von Meryem…!“ Nur weil ich jetzt… ja, schwarze Haare hatte… ich war wirklich die einzige mit schwarzen Haaren… da gab es ein paar Jungs mit dunklen Haaren, aber als Mädchen, ja…!

Ich bin im Irak geboren, ich bin Arabisch / Aramäisch. Aber, um ehrlich zu sein, als ich hier nach Deutschland gekommen bin, ich fühl mich gar nicht Arabisch, weil ich hier komplett aufgewachsen bin. Und ich würd auch einfach sagen, ich bin deutsch! Ich meine , ich hab die deutsche Staatsangehörigkeit und ich bin auch deutsch und das soll auch so bleiben. Und egal, ob ich jetzt im Irak geboren bin; ich hab natürlich noch die Tradition ich liebe die Kulturen und das Essen vor allem ! Aber nichts desto trotz hab ich hier die Deutsche Staatsangehörigkeit, und so fühle ich mich auch und so wirds auch bleiben.

Noora (Arabisch); Meryem übersetzt (Deutsch)

Meiner Meinung nach ist das so, dass jede Familie so ist wie ein Baum, also so ein Baumstamm, und jede Familie hat auch ihre Wurzeln; auch wenn meine Wurzeln jetzt Arabisch/ Irakisch sind, und die meiner Tochter natürlich auch; so haben sie das vollste Recht sich so deutsch zu fühlen, wie sie sein wollen, weil sie hier aufgewachsen sind, und hier auch hergekommen sind; natürlich soll man sich dann auch in diesem Land deutsch fühlen und ob sie jetzt zwei Angehörigkeit hat, ob sie jetzt zwei Orte hat, wo sie sic wohl fühlt, also im Irak und jetzt auch Deutschland; so kann sie sich trotzdem noch entscheiden, was sie sein mochte und wenn sie sich deutsch fühlen will kann sie das gern machen, nichts desto trotz belehre ich sie trotzdem noch über den Irak, über die Kultur und über das Essen – damit sie auch gut kochen kann – und ich belehre sie trotzdem noch über den Irak, über den neusten Stand und über die „schonen Erlebnisse“ und wie das alles da so war, aber wenn sie sich deutsch fühlen muss, kann, will, dann kann sie das gerne machen…“

Musik Zitat : soundscape „Orient Express“ (interkulturelles Dinner für 100 Gäste) (IFF)

Comentarios

Sé el primero en comentar

Aún no hay comentarios sobre este contenido. ¡Inicia la conversación!

Etiquetas: STIMMEN AUS HAMM - Meryem und Noora - "Ich bin deutsch..." (sound track) audio, STIMMEN AUS HAMM - Meryem und Noora - "Ich bin deutsch..." (sound track) - IFF e.V. & radio continental drift audio, free audiobook, free audio book, audioaz